Sanierung und Neubau des "Weltquartiers"
in Hamburg-Wilhelmsburg
Treffpunkt Mietertreff Weimarer
Platz, 21107 Hamburg
11
bis 13 Uhr
Einführende Vorträge der IBA Hamburg und der Architekten und
Rundgang durch das Quartier und zum "Energiebunker"
Baujahr
1939 - Sanierung 2009-2013
820 Wohneinheiten
Neubauten
im Passivhausstandard
Sanierungen als Effizienzhaus 70
Modernisierungskonzept
Das Modernisierungskonzept sieht die Erweiterung des Gebäudes auf
der Gartenseite um ca. 2,00m vor. Hier sind Wohnraumvergrößerungen
und Loggien untergebracht. Die Gartenseite der Gebäude erhält
eine neue Fassadenebene. Diese hebt sich durch ihre Materialität
betont ab.
Die Grundrisse aller Geschosse werden neu organisiert.
Das Dachgeschoss wird ausgebaut, die Wohnungen erhalten einen „durchgesteckten“
Wohn-, Koch- und Essbereich, der als sich wiederholender großer
Dachaufbau erkennbar wird.
Den Eingängen werden Eingangsbauwerke als Windfang und Vordach
vorgestellt.
Bautechnik
Die vorhandenen Decken und Wände werden brandschutztechnisch ertüchtigt.
Die Fassade wird durch ein Wärmedämmverbundsystem mit aufgebrachten
Flachverblendern energetisch ertüchtigt, behält aber grundsätzlich
ihren Charakter.
Neue Dachkonstruktionen mit hochwertiger Dämmung, ein Austausch
aller Fenster und eine Kellerdeckendämmung runden die wärmedämmende
Hülle ab.
Zusammen mit der Wärmeversorgung aus Biomasse und Sonnenenergie
aus dem Energiebunker erreichen die sanierten Gebäude einen Standard
nach Energieeffizienzhaus 70.

Die sanierungsbedürftige
Siedlung an der Weimarer Straße im südlichen Reiherstiegviertel
wird in den kommenden Jahren zum Weltquartier umgebaut. Hier entsteht
ein Modellprojekt für interkulturelles Wohnen mit Umbaumaßnahmen,
die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Bewohnerschaft gerecht
werden. Das im Vorfeld eines Architekturwettbewerbs durchgeführte
neuartige Beteiligungsverfahren gewährleistete die Berücksichtigung
der zum Teil sehr verschiedenen Interessen.
Sie ist eine der kulturell vielfältigsten Nachbarschaften der Elbinsel
Wilhelmsburg, in ihr leben mehr als 1.700 Bewohner aus über 30
Herkunftsländern: die sanierungsbedürftige Wohnsiedlung an
der Weimarer Straße. Um 1930 gebaut und im Besitz des Wohnungsunternehmens
SAGA GWG wird die Siedlung mit ihren 820 Wohnungen nun modernisiert,
umgestaltet und den heutigen Bedürfnissen angepasst – das
Weltquartier entsteht.
Dazu
wurde bereits im Vorlauf ein neuartiges Beteiligungsverfahren eingeführt:
eine „Interkulturelle Planungswerkstatt“ mit so genannten
„Heimatforschern“, die darauf abzielte, kulturspezifische
Wünsche für den Umbau der Siedlung zu erfassen. Die Ergebnisse
flossen in einen Empfehlungskatalog ein, der Bestandteil des städtebaulichen
Ideenwettbewerbs zur Umgestaltung des Weltquartiers war. Den Bewohnern
wurde außerdem die Gelegenheit gegeben, bei der Prüfung der
Wettbewerbsergebnisse teilzunehmen.
Die
Beteiligung der internationalen Bewohnerschaft wird auch nach dem Wettbewerbsverfahren
weitergeführt: Aus den „Heimatforschern“ sind „Zukunftsforscher“
geworden, die den Bewohnern des Weltquartiers die Entwürfe erläutern
und mit ihnen diskutieren.
Am
9. April 2008 hatte ein elfköpfiges Preisgericht des internationalen
Ideenwettbewerbs die Entwürfe von zwanzig Arbeitsgemeinschaften
aus Architekten und Landschaftsplanern begutachtet. Der erste Preis
wurde an das Lübecker Büro kfs krause feyerabend sippel architektur
+ innenarchitektur in Arbeitsgemeinschaft mit Sven Andresen und Urte
Schlie Landschaftsarchitektur vergeben.
Die
Arbeitsgemeinschaften hatten im Wettbewerb die Aufgabe, die charakteristischen
Elemente des Stadtraums und des Gebäudebestands zu untersuchen
und im Hinblick auf die Stärkung der interkulturellen Nachbarschaften
weiterzuentwickeln. „Der Siegerentwurf geht auf die besonderen
Ansprüche der internationalen Bewohnerschaft im Weltquartier ein.
Die Aufenthaltsqualität in den Freiräumen wird den Wünschen
der Bewohner entsprechend verbessert“ bewertete IBA-Geschäftsführer
Uli Hellweg den ersten Preisträger. Ein zweiter Preis ging an das
Dresdner Büro Knerer + Lang in Partnerschaft mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten.
Vier weitere Arbeiten wurden durch die IBA Hamburg angekauft. „Auch
in den Ankäufen finden sich eine Reihe guter Ideen, die in der
Realisierung weiter verfolgt werden“, begründete Oberbaudirektor
Prof. Jörn Walter diesen Schritt.
Die
Dokumentation zum genannten Wettbewerbsverfahren ist erschienen (s.
Materialien) und ein Projektteam von SAGA GWG und IBA Hamburg GmbH befasst
sich derzeit intensiv mit der Konkretisierung der Planung und der weiteren
Umsetzung. Die Bauarbeiten haben im Sommer 2009 begonnen und erfolgen
abschnittweise bis in den Sommer 2013. Ein wichtiger Bestandteil beim
Umbau ist auch die Umstellung der Wärmeversorgung der Häuser:
Geplant ist, den benachbarten alten Flakbunker zu einem „Energiebunker“
zu entwickeln und von dort regenerative Energie für Erzeugung von
Warmwasser und Heizung für das Weltquartier zu liefern.
Das
Weltquartier wird durch die Modernisierung nicht nur die zukünftig
gültigen hohen energetischen Anforderungen für den Klimaschutz
erfüllen, sondern den Mietern auch große Einsparpotenziale
bei den Heizkosten ermöglichen. Ein in Planung befindlicher Pavillon
soll den Anwohnern außerdem die Möglichkeit bieten, Nachbarschaftsfeste
und Veranstaltungen auszurichten. Der Pavillon auf dem Weimarer Platz
soll im Sommer 2010 eröffnet werden.
Mehr
Informationen zur IBA Hamburg unter www.iba-hamburg.de.
